Was halten Orientteppiche aus?

Von René Reinisch
Kamele in der Wüste

Sie tragen viele Namen, doch ob Orient- oder Perserteppich, allen gemeinsam ist die hohe Qualität der handgeknüpften Fasern und die schönen geometrischen Muster. Orientteppiche sollte man nicht mit Berberteppichen oder Nepalteppichen verwechseln, die zwar alle ähnlich gearbeitet sind, doch zum Teil erhebliche Unterschiede aufweisen.

Orientteppiche sind traditionsreich

Kamele in der Wüste

Bilder, die wir mit dem Orient verbinden: Karawanen, Teppichhändler, Beduinen und Wüstenvölker. Doch der Orient ist viel mehr.

Meist sind sie gewebt oder geknüpft. In jedem Fall gehören Orientteppiche aber zu einem reichen alten Handwerk. Lange bevor der sogenannte Teppichgürtel (ein Gebiet von Marokko bis Nordindien) vom Islam geprägt wurde, gab es Teppiche. Seit der Islamisierung dieser Gebiete im 7. und 8. Jahrhundert hat sich die Tradition immer wieder an neue Situationen angepasst. Doch bis heute sind Orientteppiche reich verzierte und bunte Kunstwerke.

Orientteppiche sind reich verziert

In der islamischen Kunst wird das Abbilden von Personen eher vermieden. Das hat mit religiösen Verboten zu tun, wie sie auch im Christentum lange praktiziert wurden: Gott habe den Menschen und alles nach seinem Antlitz erschaffen und deswegen solle sich der Mensch kein eigenes Bild der göttlichen Schöpfung machen.

Ein Orientteppich von Teppich Reinisch

Orientteppiche sind dünner als bspw. Berberteppiche und reich verziert. Auf dem Bild sehen Sie den Nepalteppich Mir Royal creme 90 x 160 cm

Das bedeutet, dass islamische Künstler traditionell um dieses “Bilderverbot” herumarbeiten mussten. Das hat zu zahlreichen Stilen geführt, die vor allem geometrisch geprägt sind. Viele Orientteppiche sind reich und dicht mit abstrakten Mustern verziert. Das ist auch ein charakteristisches Merkmal: Wo beispielsweise Berberteppiche fast schmucklos gehalten sind, weisen Orient- oder Perserteppiche reiche Verzierungen und sehr komplexe Muster auf. Natürlich kann sich das kulturell unterscheiden, doch die meisten Orientteppichen haben diese mythisch anmutenden Formen mit faszinierenden Farben und ineinander greifenden Verästelungen.

Knüpfdichte ist entscheidend für Haltbarkeit

Es wird aus den bisherigen Beschreibungen deutlich, dass Orientteppiche keine Alltagsflicken sind. Früher waren sie teure Geschenke und wurden an die Wand gehangen. Nur wenn hoher Besuch kam, wurden sie abgenommen und als Teppich verwendet. Sonst waren sie vor allem teure Deko.

Orientteppiche sind dicht gewebt, was sie langlebiger macht, weil sie einzelnen Fasern stärker zusammenhalten und beim Zerren, Reißen oder Strecken nicht so gezerrt werden – denn die vielen Knüpfpunkte verteilen die Belastungen besser.
Dennoch sind Orientteppiche nicht unendlich haltbar. Die meisten Teppiche sind eher dünn gewebt oder geknüpft, was dafür sorgt, dass sie im Gegensatz zu dicken Berberteppichen schneller durchscheuern. Doch das dicht gewobene Netz aus Fasern gleich das wieder aus.

Kurz gefasst

Orientteppiche halten aufgrund ihrer hochwertigen Verarbeitung und bei guter Pflege wesentlich länger als herkömmliche Teppiche. Dennoch muss man aufpassen, sie nicht übermäßig zu strapazieren.